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Eine Saison voller Höhen und Tiefen

Britta Kamrau in einem ersten Rückblick

 

Eigentlich wollte ich von diesem Jahr schon des öfteren berichtet haben, allerdings war ursprünglich mein sportliches Jahr auch etwas anders geplant. Aus gegebenen Umständen war ich auf längere Zeit etwas unmotiviert, über meine sportlichen Erfolge oder Misserfolge zu erzählen. Der Grund allen Unglücks: dieses ist das Jahr der Olympischen Spiele und ich war nicht dabei. Inzwischen ist Olympia vorbei und ich bin wieder aus meinem Loch gekrochen.

All zu viel möchte ich auch gar nicht mehr darüber verlieren. Seit mich im Oktober 2005 die Nachricht erreichte, dass das Freiwasserschwimmen in das olympische Programm aufgenommen wurde, stand für mich fest: ich darf endlich auch zu den Olympischen Spielen fahren und werde 2008 in Peking dabei sein und um eine Medaille mitkämpfen. Wie man es immer bei den meisten Sportlern hört, so war es auch bei mir: alles wurde auf dieses Ziel ausgerichtet; Training, Höhentrainingslager, die außersportliche Karriere, Unterstützung etc. – alles für Olympia. Es lief alles genau nach Plan, alles war über die letzten zwei Jahre genau so, wie es sein sollte. Bis auf diesen einen Tag, an dem ich meine einzige Chance hatte, mich zu qualifizieren. Ich hätte bei der WM im Mai in Sevilla „nur“ unter die ersten 10 schwimmen müssen. Es war mein insgesamt 20ter Start bei einer WM und noch nie war ich schlechter als Platz 7. Eigentlich hätte es also kein Problem werden sollen. Wurde es dann aber doch. Zuerst die gute Nachricht: ich bin im Ziel angekommen. Die schlechte: ich durfte mich fortan WM-39te nennen und Olympia von zu Hause aus verfolgen. Die Gründe darzustellen, würde hier nun ein wenig den Rahmen sprengen, zumal ich zum einen nach wie vor nicht so recht weiß, wie es dazu kommen konnte und zum anderen auch einfach mit dem Thema abschließen möchte, was mir nun nach Olympia auch langsam gelingen könnte. Ich hatte vor der WM über 5 bis 6 Wochen einen Infekt verschleppt, der sich nicht so recht auskurieren wollte. Eine Woche vor der WM brach er noch einmal richtig aus, ich musste Antibiotika nehmen, war aber trotzdem davon überzeugt, dass ich die Top Ten schaffe und hätte schaffen müssen. Ich glaube, an dem Tag und in dem Rennen kam einfach alles zusammen, nichts lief und Olympia sollte für mich nicht sein – zumindest nicht 2008. Die Olympischen Spiele habe ich mir im Fernsehen trotzdem angesehen, aber es tat verdammt weh und war die schwerste Zeit meines sportlichen Lebens von Mai angefangen bis hin zu der Abschlussfeier in Peking.

Natürlich stand ich vor einer gewissen Leere nach diesem Tiefschlag, also habe ich versucht, das zu tun, was mir am besten über die Zeit hinweg- und aus dem Loch heraushilft. Und das ist – große Überraschung - trotz Allem das Schwimmen. Ich habe mich wieder den langen Rennen gewidmet, d.h. den deutlich längeren als den olympischen 10 km, was ich die letzten zwei Jahre aufgrund der Olympia-Vorbereitung nicht mehr gemacht hatte. Auch wenn nicht viele Menschen das nachvollziehen können: ich habe sie vermisst und mich somit auch wieder darauf gefreut, sie zu schwimmen. Also ging es für mich zu den Grand Prix-Rennen von Capri nach Napoli, nach Serbien und Kanada. Einmal Platz 1, zweimal Platz 2 und ein 3. Platz haben mir zumindest gezeigt, dass ich doch noch schwimmen kann. Und es hat wieder Spaß gemacht, diese Weltcup-Reisen zu machen und die Rennen zu schwimmen. Bei den deutschen Meisterschaften ging es mir inmitten all dieser Wettkämpfe (mein Wettkampfprogramm war mit 8 Rennen zwischen 5 und 36 km innerhalb von 4 Wochen doch ein klein wenig übertrieben) allein darum, mich auf allen drei möglichen Strecken (5, 10 und 25 km) für die EM im September in Dubrovnik zu qualifizieren, was mir auch gelang. (Trotz Wassertemperaturen von 17 – 18 Grad, also etwa 10 Grad unter meiner Wohlfühltemperatur.)

Nun kam also die EM, die für mich in dieser Zeit besonders wichtig war. Natürlich ist eine EM im unmittelbaren Anschluss an die olympischen Spiele nicht mehr der wichtigste Wettkampf, auf den alle gucken. Aber ganz allein für mich selbst war es wichtig, mir zu zeigen, dass ich nach wie vor zur Weltspitze gehöre und dass ich eigentlich auch zu den olympischen Spielen gehört hätte. Dass auch in der Zukunft noch und wieder mit mir zu rechnen ist. Und das ist mir besser gelungen, als ich es vorher erwartet hätte. 4 Wettkämpfe an 6 Tagen waren dennoch wieder zu viel – in Zukunft kann ich einfach nicht mehr alles machen, auch wenn ich das immer möchte – worunter die 10 km gelitten haben. Aber Silber zum Auftakt über 5 km, Bronze im Team-Wettbewerb über 5 km und noch einmal Silber zum Abschluss über 25 km waren so viel mehr, als ich mir in diesem Moment schon wieder zugetraut hätte. Mit drei Medaillen wieder nach Hause zu kommen, und jede davon bis zum Ende kämpfend erreicht zu haben, stimmen mich wieder glücklich, geben mir Motivation für die Zukunft und zeigen mir, dass ich sehr wohl noch zur Weltspitze gehöre.

Jetzt lasse ich die Saison mit den letzten Weltcup- und Grand Prix-Rennen noch ausklingen, um dann in den wohlverdienten Urlaub zu gehen. Danach kann ich weitermachen wie in jedem Jahr: motiviert, auf die Wettkampfhöhepunkte wie z.B. die WM nächstes Jahr konzentriert, hart trainierend und mit Spaß am Schwimmen.

In diesem Sinne mit Blick in die Zukunft,

liebe Grüße,

Eure Britta Kamrau

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